PageSpeed Insights hat nichts mit der Ladegeschwindigkeit zu tun – Der missverstandene Ranking Faktor

Eine alte analoge Stoppuhr auf einer Handinnenfläche.

PageSpeed ist nicht alles

Wieso ranken Websites wie die der New York Times trotz eines schlechten PageSpeed Insights Score von 52/100 gut auf Google? Das Modewort „page speed“ und der PageSpeed Insights Score von Google sind nicht absolute Werte, nach welchen du dich richten solltest. Weisst du, von was genau die Rede ist, wenn über page speed gesprochen wird? Oder was der Lighthouse Report von Google eigentlich misst? Wir geben dir den Crashkurs, damit du deine zeitlichen und finanziellen Ressourcen sinnvoll investieren kannst.

Takeaways

  • PageSpeed hat nichts mit der Ladegeschwindigkeit zu tun
  • PageSpeed Insights spiegeln Best Practices von Google wieder
  • Die Geschwindigkeit einer Webseite hängt von mehr als der reinen Serverperformance ab
  • Verwende immer mehr als einen Geschwindigkeitstest
  • Stimmt deine TTFB ist das schon die halbe Miete
  • Die Ladegeschwindigkeit ist klar ein SEO Ranking Faktor, allerdings nur einer von vielen
  • Investiere dein Geld sinnvoller, indem du in Content, Usability und Serverleistung investierst

PageSpeed ≠ Ladegeschwindigkeit

Wenn du eine Webseite aufrufst, passiert eine ganze Menge. Vereinfacht gesagt werden diverse Ressourcen von einem Webserver geladen und durch den Browser auf deinem jeweiligen Endgerät verarbeitet. Wie schnell sich eine Seite in deinem Browser aufbaut, hängt dabei von mehreren Faktoren ab. Da wäre zum einen die Qualität deiner Verbindung, also ob dein Gerät mit 3G, 4G oder direkt via LAN (und dann via Kupferleitung oder Glasfasernetz) verbunden ist. Zum anderen kommt es auf den Webserver an, also wie schnell dieser die angeforderten Ressourcen wie das HTML, Bilder und Schriften zur Verfügung stellt. Zu guter Letzt müssen diese Ressourcen auch noch so verarbeitet werden, dass sie für dich als Nutzer gut aussehen. Das wird von deinem Browser und deinem Endgerät übernommen.

Wir haben also bereits mindestens drei Variablen in dieser vereinfachten Gleichung der Geschwindigkeiten:

Internetverbindung + Server + Browser =  Wahrgenommene Geschwindigkeit der Webseite

Das Pluszeichen ist hier allerdings nicht wirklich angebracht. Der alte Internet Explorer (IE9 lässt grüssen) hat es zum Beispiel fertig gebracht, auch die schnellsten Webseiten langsam zu laden. Das tatsächliche Verhältnis dieser Variablen untereinander ist komplex, allerdings kannst du dir vorstellen, dass das schwächste Glied in dieser Kette immer den gesamten Ladevorgang verlangsamt. Deswegen kann es auch sein, dass dein nagelneuer Laptop eine Webseite trotzdem langsam aufbaut.

Keine konstanten Resultate …

Dann gibt es noch einen vierten Faktor, der die Resultate stark verändern kann: Die Zeit. Diese drei Variablen sind nämlich nicht konstant, sondern ihrem Namen gerecht werdend immer etwas anders. Vielleicht ist die Verbindungsqualität zu deinem Internet Service Provider gerade etwas schlechter geworden, der Webserver hat zu viele Anfragen bekommen oder dein Smartphone ist ausgelastet, weil du zu viele Apps offen hast. Ein einziger Geschwindigkeitstest sagt deswegen noch nichts über die Durchschnittsgeschwindigkeit aus.

Zu dem Variablenmix von oben kommen noch diverse weitere, kleine Einflussfaktoren hinzu. Beispielsweise Browser Add-ons, Anti Virus Software, usw. Deswegen ist es unwahrscheinlich, dass jemals zwei PageSpeed Insights Resultate deckungsgleich sein werden. Auch dann nicht, wenn der Test auf demselben Gerät wiederholt wird.

… gilt auch für Page Speed Tests

Was wird denn nun gemessen bei diesen ganzen Geschwindigkeitstests? Die Resultate liegen bei den meisten Tests zwischen 1 und 100. Eigentlich sollte aber doch die Ladezeit, also ein Wert in Sekunden gemessen werden. Um den komplexen Ladevorgang verständlich zu halten, werden die technischen Details oftmals ausgelassen. Google Lighthouse gibt beispielsweise sämtliche Resultate, egal ob Page Speed, SEO oder Barrierefreiheit als Wert zwischen 1 und 100 aus. Die Ergebnisse der verschiedenen Tools, darunter auch zum Beispiel pingdom oder webpagetest, können also nicht direkt miteinander verglichen werden, weil alle Tools ihre Ergebnisse anders für die Skala von eins bis hundert standardisieren.

Google Lighthouse misst nach eigenen Angaben unter anderem die Performance einer Webseite. In diesen Performance Score fliessen diverse Metriken ein, darunter „First Contentful Paint“, „Time to Interactive“, „Cumulative Layout Shift“ und so weiter. Gerade der Cumulative Layout Shift sagt aber nichts über die Geschwindigkeit per se aus. Stattdessen ist der CLS eine Angabe darüber, wie stark sich Elemente auf der Webseite während des Ladens verschieben, was für die Nutzer äusserst nervig sein kann. Dieser Wert wurde von Google 2020 zu Lighthouse hinzugefügt und wird irgendwann im 2021 als Ranking Faktor einfliessen. (Sechs Monate vor der Einführung wird Google noch einmal darauf hinweisen, wie im Mai auf dem Google Webmaster Blog angekündigt wurde.) Allerdings sagt dieser Wert nur bedingt etwas über die Geschwindigkeit aus. Es geht nicht um die Zeit, die verstreicht, bis sich keine Elemente mehr verschieben. Stattdessen wird der Schweregrad der Verschiebungen auf einer Skala von 0 bis 1 bewertet. Der Performance Wert der Page-Speed Insights ist also eine grobe Angabe darüber, wie gut die Webseite anhand der von Google definierten Best Practices performt, aber nicht, wie schnell sie geladen wird.

Es kann auch sein, dass der Kunde einen miesen PageSpeed Insights Score erhält, während für den Entwickler alle Werte im grünen Bereich liegen. In diesem Fall hilft es, auf diesen Beitrag zu verweisen. Damit spart man sich nicht nur die Zeit für die Kommunikation und die Erklärung dafür, warum gewisse vermeintliche Optimierungen keinen Sinn ergeben, sondern auch erst noch das Geld für die Entwicklungskosten derselben.

Was gemessen wird

Hinter den Scores verbergen sich dennoch einige Werte in Sekunden, welche direkt miteinander verglichen werden können. Der Vorteil davon ist, dass mindestens eine Variable, nämlich der Browser, ausgeschlossen werden kann. Der TTFB (Time To First Byte) Wert ist einer dieser Werte und wohl mit Abstand der wichtigste. Hier wird gemessen, wie lange es dauert, bis der Browser vom Webserver eine Antwort für eine HTTP Anfrage bekommt. Die Verbindungsgeschwindigkeit und Art der Webseite kann diesen Wert allerdings beeinflussen. Dann zum Beispiel, wenn erst noch der DNS aufgelöst werden muss oder die Webseite keine statischen, sondern dynamische Inhalte liefert. Oder wenn die Ressourcen gezippt und erst dann verschickt werden, wenn das Zip komplett ist, was sich negativ auf die TTFB, dafür aber positiv auf die Ladegeschwindigkeit auswirkt, weil wegen der Komprimierung weniger Datenvolumen in Anspruch genommen wird.

Dann gibt es noch einen Wert für die Zeit, bis sämtliche Ressourcen geladen wurden, was Google in PageSpeed Insights mit doc complete beschreibt. Oder die Zeit, die vergeht, bis das Rendering beginnt, also etwas auf deinem Bildschirm sichtbar wird, was mit start render bezeichnet wird. Diese drei Metriken sind ausschliesslich vom Webserver und der Verbindungsgeschwindigkeit abhängig. Weitere Metriken, wie beispielsweise die Zeit, die vergeht, bevor mit der Seite interagiert werden kann (time to interactive), sind aber auch von deinem Browser abhängig. Trotzdem fliessen auch diese Werte bei PageSpeed Insights in den Performance Score deiner Webseite.

Page Speed als Ranking Faktor

Es gibt also verschiedene Metriken, welche alle eine andere Geschwindigkeit in Bezug auf die Verbindung, das Laden der Ressourcen und den Aufbau der Webseite messen. Für die Besucher der Webseite sind diese Werte unsichtbar und nicht relevant. Was für sie zählt, ist, wie schnell sich die Webseite im Browser aufgebaut hat. Da Google und allen anderen Suchmaschinen daran gelegen ist, möglichst gute Resultate zu liefern, spielt diese wahrgenommene Geschwindigkeit eine grosse Rolle. Je länger gewartet werden muss, desto schlechter. Die Absprungrate erhöht sich signifikant mit jeder zusätzlichen Sekunde, die gewartet werden muss. Die Suchenden sind dementsprechend unzufrieden mit dem Suchresultat, was schlecht für Google ist. Deswegen werden insgesamt schnelle Seiten mit einem besseren Ranking belohnt, wohingegen langsamere Seiten mit einem schlechteren Ranking abgestraft werden. Die wahrgenommene Geschwindigkeit hat unbestritten einen Einfluss auf das Ranking, allerdings dominiert sie die anderen Rankingfaktoren nicht. (Zu diesem Schluss kommen beispielsweise auch sem-deutschland in ihrem Blogbeitrag.)

Prioritäten setzen und Geld sparen

Was machst du also, wenn dein Performance Score in Lighthouse schlecht ist? Erst einmal Ruhe bewahren und dich vertieft mit dem Problem auseinandersetzen. Ist deine TTFB bereits sehr gut, also unter 0.2 Sekunden, kannst du dir schon mal den Schweiss von der Stirn wischen. Wie Neil Patel mit seiner Analyse gezeigt hat, ist die TTFB diejenige Messung mit dem grössten Einfluss auf das Ranking einer Webseite. Zumindest dann, wenn es um die Top Rankings geht. Rankst du auf Seite zwei der Suchergebnisse, solltest du dich erst einmal um die Inhalte deiner Seite kümmern und dich dann um Performance Optimierungen sorgen. Die doc complete und start render Zeiten haben laut Neil Patel ebenfalls einen Einfluss auf das Ranking, allerdings ist dieser nur etwa halb so gross wie der der TTFB.

Das ist auch einer der Gründe, warum die Seite der New York Times trotz dem schlechten Score gut rankt. Die von Google vorgeschlagenen Best Practices werden zwar nicht alle erfüllt, dafür stimmt aber der Mix aus Ladezeit, also TTFB, dem Design und der Relevanz der Inhalte für die Leser der NYT. Sind deine PageSpeed Insights Werte alle rot, ist das ein Indikator dafür, dass einiges verbessert werden kann. Aber auch da empfiehlt es sich, erst einmal mit etwas Abstand an die Sache heranzugehen, bevor du deine Entwickler stresst. Hast du deine Bilder und Schriften schon komprimiert? Stimmen deine Inhalte und dein Design? Korrelieren die PageSpeed Insight Scores überhaupt mit deinem Ranking? Ist es sinnvoller, in ein Performance Hosting zu investieren, um die TTFB und die allgemeine Performance zu erhöhen? Erst, nachdem diese Fragen geklärt sind, solltest du dich mit dich mit der Technologie, d.h. dem Code und der Architektur deiner Webseite auseinandersetzen. Möglicherweise sparst du dir damit einen Haufen Zeit, Geld und Nerven.

Euki Ziehbrunner

Ich kann mich für fast alles begeistern und bin für vieles von dem verantwortlich, was du hier liest. Gefällt dir etwas davon (oder eben nicht), erreichst du mich via E-Mail.